In der „Frankfurter Rundschau“ vom 30. Mai 2008 erschien ein Interview mit den Vorsitzenden des Vereins „Rettet die Amiwiese“, in dem die Argumente für die Erhaltung der Wiese als Naherholungsgebiet vorgestellt werden. Leider war das Gespräch zu lang geraten, um es ganz in der Zeitung wiedergeben zu können. Hier die Fassung ohne Kürzungen, die für den Druck nötig waren.


Die Stadt plant eine Bebauung der Grünfläche „Amiwiese“ auf dem Heilsberg mit rund 60 Häusern und einer Sporthalle. Die BI „Rettet die Amiwiese hat sich daraufhin gegründet. Warum?
Der Heilsberg ist in den letzten Jahren massiv verdichtet worden. Am Moulins-Ring ist eine komplette Siedlung entstanden. An der Brandenburgerstraße auch. Reihenhauszeilen Am Hang und am Schlesienring. Dazu viele einzelne Häuser, auch Mehrfamilienhäuser. Jetzt wird noch der Tannenweg zugebaut. Die Nachbarn dort sind ins Grüne gezogen und schauen bald nur noch auf Beton. Der Ortsteil platzt aus den Nähten. Nun soll mit der Amiwiese noch die letzte nennenswerte Grünfläche des Heilsbergs bebaut werden. Viele Heilsberger fühlen sich inzwischen wie die Sardinen in der Büchse. Doch Josef Maetz, Fraktionsvorsitzender der CDU und einer der mächtigsten Männer in Bad Vilbel, will die Politik der Verdichtung ausdrücklich fortgesetzt. Das ist erklärtes Ziel seiner Politik.

Welche Bedeutung hat die Amiwiese für die Heilsberger?
Die Wiese ist seit 60 Jahren der soziale Treffpunkt der Heilsberger. Hier können die Kinder spontan spielen gehen ohne Angst vor Autos, hier kann man Fußball bolzen, ohne in einen Verein eintreten zu müssen, im Sommer grillen, im Herbst Drachen steigen lassen. Das ist das grüne Herz des Ortsteils. Das soll den Bürgern jetzt weggenommen und verkauft werden. Die Heilsberger ohne eigene Gärten können dann auf dem Bordstein grillen oder Fußball spielen. Sozial kann man das nicht nennen. Auch ein zweiter Kinder-Bolzplatz Am Hang wird jetzt bebaut. Damit ist dann alles dicht. Dabei ist der Heilsberg schon jetzt nach den offiziellen Zahlen der Stadt Bad Vilbel der am dichtesten besiedelte Ortsteil.

Wie stark ist der Zulauf zur BI?
Die Aufstellung des Bebauungsplans wurde ohne jede Vorbereitung in der Weihnachtszeit beschlossen. Dennoch haben sich sofort Bürger dagegen zusammengeschlossen. Wir haben schon rund 150 Mitglieder. In einer Unterschriftensammlung haben sich bislang über 2200 Bürger für die Erhaltung der Amiwiese ausgesprochen.

Sie wollen eine Stiftung gründen. Zu welchem Zweck?
Bad Vilbel hat die Amiwiese 1993 für 940.000 DM, also rund 500.000 Euro gekauft. Wir bieten an, 1000 Stifter zu finden, die zusammen diese Summe aufbringen. Damit soll eine gemeinnützige Stiftung gegründet werden, die den Besitz an der Wiese erwirbt, um sie den Heilsbergern als „Bürgerpark Amiwiese“ zu stiften. Wir können uns da auch ein Pacht-Modell vorstellen. Wir wollen, dass die Leute – vor allem die Kinder – weiter ihr Naherholungsgebiet haben und ihnen nicht jedes Grün vor der Nase weg verkauft wird.

Das Thema Verkehr ist auf dem sehr eng bebauten Heilsberg ein zunehmendes Problem. Wie hoch wird die Belastung durch eine zusätzliche Bebauung sein?
Die neuen Häuser und vor allem die neue Sporthalle werden noch mehr Verkehr auf den Heilsberg ziehen. Die Amtsträger in Bad Vilbel reden viel durch Verkehrsentlastung durch eine neue Straße quer über die Amiwiese. Aber das stimmt nicht. Unterm Strich bringt mehr Verdichtung noch mehr Verkehr, ganz einfach. Vor allem die fast im Stundentakt an- und abfahrenden Sportlergruppen für die neue Turnhalle, die mitten im Wohngebiet stehen soll, werden für unentwegte Unruhe sorgen. Eine der engsten Straßen des Heilsbergs, die Danzigerstraße, wird einen Hauptteil des Verkehrs aufnehmen müssen. Der Verkehr wird sich dort wohl annähernd verzehnfachen.

Wie hat die CDU-Stadtregierung bisher auf die BI reagiert?
Die meisten Stadtverordneten setzen sich ehrenamtlich für die Stadt ein. Das sind tolle Leute. Aber man wird den Eindruck nicht los, dass einige wenige Strippenzieher Bad Vilbels, die Amiwiese unbedingt im Beton untergehen sehen wollen, weil sie Geld für die Stadtkasse machen wollen. Alle Nachteile für die Bürger interessiert sie nicht. Dieser Fehler wird sich schon bald rächen. Die Bevölkerungszahl Deutschlands sinkt. Schon bald werden die Menschen die Städte nach der Lebensqualität beurteilen, die sie bieten. Welche Chance hat dann ein sardienenbüchsenhaft vollgequetschter Heilsberg? Doch die jetzigen Strippenzieher sehen nur das Geld. Sie scheinen über die nächsten vier, fünf Jahre nicht mehr hinauszudenken.

Was tut der Ortsbeirat, resp. der Ortsvorsteher?
Der Ortsvorsteher Klaus Peter Schulz von der CDU ist zugleich der 1. Vorsitzende des Sportvereins, der die Verwaltung der geplanten Sporthalle übernehmen soll. Er hat im Ortsbeirat für die Aufstellung des Bebauungsplans plädiert und sie durchgesetzt. Kurz: Er hat als Ortsvorsteher dem Verein, den er leitet, die Aussicht auf eine riesige 3-Feld-Sporthalle verschafft. Das ist nahe an der Selbstbedienung. Ich finde, es wäre viel klüger und demokratischer gewesen, wenn sich Herr Schulz bei diesem Thema für befangen erklärt und sein Amt als Ortsvorsteher ruhen gelassen hätte.

Welche Rolle spielt Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU)?
Wir bieten der Stadt an, eine halbe Million Euro für die Stadt als Stiftung aus den privaten Taschen aufzubringen. Zusagen über 100.000 Euro haben wir schon. Trotzdem hat bislang keine der Amtsträger es für nötig gefunden, darüber mit uns auch nur zu sprechen. Das ist ihnen nicht mal den Griff zum Telefonhörer wert gewesen. Wie soll man das nennen? Bürgernah? Thomas Stöhr hat uns geschrieben, er sei nicht zuständig. Wofür, bitte, ist ein Bürgermeister zuständig, wenn er nicht einmal mit Bürgern redet, die mit Spenden tief für ihre Stadt in die Tasche greifen wollen? Viele auf dem Heilsberg sind darüber ziemlich sauer. Im nächsten Jahr wird der Bürgermeister gewählt. Es gehen jetzt Slogans um wie: „entSTÖHRt Bad Vilbel“. Ich mahne da zur Mäßigung. Wir wollen die Amtsträger nicht bekämpfen, sondern mit ihnen reden zum Wohle der Amiwiese. Doch wenn die Verdichtung unerträglich wird, wenn die Bagger auf die Amiwiese rollen, dann werden sich viele Enttäuschte merken, wer dafür verantwortlich ist.

Ist Ihr zivilgesellschaftliches Engagement anstrengend?
Ja, schon. Aber es geht um unser Lebensumfeld, unsere Lebensqualität, unsere Kinder. Das kann man doch nicht zuschauen, wie einige wenige Machtmenschen alles für Geld, das in ein, zwei Jahren schon wieder ausgegeben ist, zubauen lassen wollen. Auch viele ehrenamtliche Stadtverordnete sehen das so. Ich hoffe, dass sie die Kraft finden, sich gegen die Betonköpfe durchzusetzen.