WZ, 23. Febr. 2008

Minkel beschönigt finstere Faktenlage

Vier Vereine antworten auf Äußerungen des Ehrenstadtrats zur Bebauung der Amiwiese - »Es wird noch enger«

Bad Vilbel (süd). Auf den Beitrag von Ehrenstadtrat Klaus Minkel (CDU) zur Bebauung der Amiwiese reagierten gestern gemeinsam die vier Vereine »Rettet die Amiwiese«, »Grüngürtel«, Bürgerinitiative Heilsberg und der Kneipp-Verein. Sie werfen Minkel vor, »die finstere Faktenlage« zu beschönigen, auf wichtige Tatsachen nicht einzugehen und »fragwürdige Scheinargumente« zu benutzen.


Nach den Daten, die von der Stadt im Internet veröffentlicht werden, sei der Heilsberg schon der am dichtesten bebaute Ortsteil, »fast dichter als der Durchschnitt der Stadt, fünfmal dichter als die Kernstadt ohne Heilsberg und über zwölfmal dichter als Gronau«, heißt es dem Schreiben. Mit der Bebauung der Amiwiese werde es für alle Heilsberger noch enger: »Es werden sich noch und noch mehr Autos die viel zu schmalen Straßen zwängen.« Jetzt soll dazu noch auf der Amiwiese eine riesige Dreifeld-Turnhalle gebaut werden. Im Ortsbeirat sei davon die Rede gewesen, sie werde bis zu 1000 Sitzplätze fassen. »Um solche Hallen zu nutzen, müssen große Sportler-Gruppen mehrfach am Tag hin- und wegfahren. Auch am Abend bis in die Nacht hinein! Auch am Wochenende.« Von all dem erwähne Minkel nichts.

Zigeunerwiese wird auf geschottert

Weiter heißt es in der Antwort auf die Äußerungen des Ehrenstadtrats: »Wir wollen die Amiwiese retten, denn sie ist die einzige große Grünfläche, auf der unsere Kinder ohne Gefahr spielen können. Minkel bestreitet das und schreibt, als Grünflächen seien noch Zigeunerwiese, Freudenberganlage und das städtische Areal Am Christeneck vorhanden. Minkel nicht zu wissen scheint: Die Zigeunerwiese soll auf Antrag seiner Partei im Ortsbeirat teilweise aufgeschottert werden - kein guter Untergrund für spielende Kinder. Die Freudenberganlage ist klein und hat für Kinder so gut wie keine Spielgeräte. Und was Minkel mit dem Areal Am Christeneck meint, ist unklar, von dem haben selbst alteingesessene Heilsberger noch nichts gehört.« Der Ehrenvorsitzende der CDU versuche, die Eltern zu beruhigen, die sich um sicheren Spielraum für ihre Kinder sorgen, denn der Heilsberg sei »nach allen Seiten von Grün und Wald umgeben«. Diese Bemerkung , wie weit sich Minkel von der Wirklichkeit entfernt habe. Die Ausgleichsflächen der Stadt, die südlich an den Heilsberg grenzen, seien zum Teil eingezäunt und hätten meist einen Ackerboden, »auf dem kein Kind mit einen Ball kicken, ja auf dem selbst ein Erwachsener kaum gehen kann. Und wie ist Minkels Hinweis auf Wald zu verstehen? Will Minkel besorgten ernsthaft raten, ihre Kinder in den Wald Spielen zu schicken?«

Sehr präzise sind dagegen seine Angaben, sobald es ums Geld gehe. Er schreibe, mit dem Verkauf sein ein »Planungsgewinn« von zehn Millionen Euro zu erzielen, der »weitgehend allen Bürgern dieser Stadt« zufließe. »Es soll also wieder des Profites wegen eine grüne Oase zubetoniert werden, die tatsächlich jedem Bürger der Stadt offensteht«, so die vier Vereine. Es liege auf Hand, wem ein großer Teil des »Planungsgeldes« wirklich zufließen werde. Minkel schreibe es selbst: Mit dem Geld solle die neue 1000-Zuschauer-Turnhalle gebaut und die Lage Vereinsheims »deutlich verbessert« werden. Vorsitzender des SSV Heilsberg sei Ortsvorsteher Klaus-Peter Schulz, der ebenfalls der CDU angehöre. »Kurz: Minkel plädiert dafür, die Amiwiese den Baggern vorzuwerfen - und ein Parteifreund kann die Lage seines Vereins "deutlcih verbessern". Es wird in letzter Zeit viel von der Politikverdrossenheit der Bürger gesprochen. Was will Minkel einem politikverdrossenen Bürger antworten, falls der ihm vorhält, die Amiwiese müsse wohl sterben, weil es dem Verein eines Parteifreundes besser gehen soll?«
Als »noch erschreckender« bezeichnen die drei Vereine den Schluss der Ausführungen des Ehrenstadtrates. Er behaupte, »lediglich einige Anlieger (vorwiegend Neubürger in der US-Siedlung)« fühlten sich von dem Bauvorhaben »in ihrer Ruhe gestört«. Das sei unwahr: »Wir haben schon über tausend Unterschriften gesammelt von Bürgern, die sich für den Erhalt der Amiwiese aussprechen, und diese Stimmen kommen von allen Teilen des Heilsbergs, auch vom Samlandweg, der Friedensstraße, der Straße Am Hang. Aber viel erschreckender ist, wie ungeniert Minkel hier einen Keil zwischen die Heilsberger treiben möchte, wie brutal er Gruppen von Bürgern gegeneinander aufzuhetzen und auszuspielen versucht. Er betreibt so eine Politik der Konfrontation, mit der er den Streit unter den Menschen anheizt, statt sie zu versöhnen - eine Politik, die unter den Wählern bei der jüngsten Landtagswahl auf breite Ablehnung stieß.«

»Besonnene Wähler«

Minkel habe sich aus der aktiven Politik zurückgezogen, ihm könnten die politischen Folgen solcher Praktiken gleichgültig sein. »Doch wir, die Gegner der Amiwiesen-Bebauung, betrachten uns zum großen Teil als bürgerlich gesonnene Wähler und sehen mit Sorge, welche Konsequenzen solche Äußerungen für die Politikverdrossenheit im Allgemeinen und für seine Partei im Besonderen haben können«, heißt es abschließend in der Erklärung.

Quelle: WZ 23.02.2008



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